Die Akne vulgaris, eine chronisch entzündliche Krankheit der Haut, ist eine vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr häufig auftretende Hauterkrankung (bis zu 85%) [1].  Die Hauptsymptome sind die sichtbaren Schädigungen der Hautoberfläche und eine generell fettige Haut. Entzündliche Prozesse können langfristig auch zu Narbenbildung führen, was bei den Betroffenen eine hohe psychische Belastung darstellen kann.

Die Schädigungen beginnen an den Haarfollikeln in der Haut. Die dort ansässigen Zellen, die Keratinozyten, vermehren sich, schuppen ab und blockieren den Talgausgang. Es entsteht ein Talgstau, ein Prozess, der durch eine erhöhte Talgproduktion, wie sie in der Pubertät auftritt, noch verstärkt wird. Dieser gestaute Talg bietet einen Nährboden für Bakterien, die sich dort besonders wohlfühlen und optimal vermehren können, wie Cutibacterium acnes (C.acnes), eine Art, die einen Hauptbestandteil der natürlichen Hautflora darstellt.

Dieser vermehrt sich jetzt besonders stark worauf das Immunsystem reagiert und entzündliche Prozesse auslöst [1]. Die Situation verschlechtert sich noch, wenn auch noch andere Symbionten der Hautflora wie Staphylococcus aureus eindringen und schwerere Entzündungen verursachen [2].

In einem Artikel von 2020 beschreiben Dréno et al. das Problem etwas differenzierter. Die Ursache liegt nicht nur in der übermäßigen Vermehrung von C. acnes, sondern in der vorhergehenden Dysbiose im Mikrobiom der Haut die diese erst ermöglicht [3]. Die verringerte Diversität fungiert als zusätzlicher Trigger für die angeborene Immunantwort, die in Folge eine entzündliche Reaktion auslöst. Weitere Interaktionen gibt es zwischen Haut- und Darmmikrobiom, so dass auch eine Dysbiose im Darm indirekt an der Entstehung von Akne beteiligt sein kann.

Dréno et al. schlussfolgern, dass die herkömmliche Therapie mit Antibiotika hier zwar akut hilft, langfristig jedoch zu einer Verstärkung der Dysbiose führt. Daher empfehlen sie einen neuen Therapieansatz, der die Modifikationen des Mikrobioms beinhaltet.

Die erste größere randomisierte, doppelblinde, placebo-kontrollierte Studie zur Wirkung von Lactoferrin auf die Entstehung und Schwere von Akne wurde von Chan et al. bereits 2017 durchgeführt [4].

Da Lactoferrin die notwendigen antibakteriellen und antientzündlichen Eigenschaften zeigt, die es für eine Behandlung von Akne bedarf, wurde hier Lactoferrin, gemeinsam mit Zink und Vitamin E in der Behandlung von milder bis mittelschwerer Akne eingesetzt, denn auch Zink und Vitamin E zeigen antioxidative und antiinflammatorische Effekte [5-7].

Die 168 teilnehmenden Patienten wurden in zwei Gruppen unterteilt, die einen bekamen täglich zwei Kapseln mit den drei Wirkstoffen, die andere Gruppe erhielt ein Placebo und das über den Zeitraum von 3 Monaten.

Die Gruppe, die Lactoferrin erhielt, zeigte bereits nach zwei Wochen eine deutliche Verbesserung in der Zahl der Hautläsionen im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Bis zur 10. Woche wurden die Verbesserungen stärker und der Unterschied noch deutlicher. Parallel wurde die Talgmenge gemessen, die ebenfalls in der Interventionsgruppe deutlich geringer ausfiel. Wie in sämtlichen anderen Interventionsstudien mit Lactoferrin gab es auch hier keinerlei Nebenwirkungen.

Da die verwendete Dosis von Zink wesentlich niedriger war als in anderen Studien, die den Zusammenhang zwischen der Gabe von Zink und Akne untersuchten und keine spezifische Wirkung von Vitamin E auf Akne nachgewiesen wurde, gehen die Autoren der Studie davon aus, dass der Haupteffekt auf Lactoferrin zurückzuführen ist. Die antioxidativen Effekte von Zink und Vitamin E stellen ihrer Meinung nach lediglich einen synergistischen Effekt dar.

Den Mechanismus, mit dem Lactoferrin diesen Effekt bei Akne verursacht, erklären die Forscher durch eine Kombination aus antibakteriellem, antiinflammatorischem und Talgproduktion-kontrollierendem Effekt [8-11]. Wie genau das im Detail funktioniert, bedarf allerdings weiterer Forschung.

Wenn man sich die Rolle von Lactoferrin in der Regulierung des Mikrobioms genauer betrachtet (siehe den Beitrag Der Superorganismus Mensch) ist es gut möglich, dass auch eine Regulierung des Mikrobioms hier eine entscheidende Rolle spielt.


1       Bhate K, Williams HC. Epidemiology of acne vulgaris. The British journal of dermatology 2013; 168: 474–485.

2       Eberl G. A new vision of immunity: homeostasis of the superorganism. Mucosal immunology 2010; 3: 450–460.

3       Dréno B, Dagnelie MA, Khammari A, Corvec S. The Skin Microbiome: A New Actor in Inflammatory Acne. American journal of clinical dermatology 2020; 21: 18–24.

4       Chan H, Chan G, Santos J, Dee K, Co JK. A randomized, double-blind, placebo-controlled trial to determine the efficacy and safety of lactoferrin with vitamin E and zinc as an oral therapy for mild to moderate acne vulgaris. International journal of dermatology 2017; 56: 686–690.

5       Evans JA, Johnson EJ. The role of phytonutrients in skin health. Nutrients 2010; 2: 903–928.

6       Dreno B, Amblard P, Agache P, Sirot S, Litoux P. Low doses of zinc gluconate for inflammatory acne. Acta dermato-venereologica 1989; 69: 541–543.

7       Dreno B, Moyse D, Alirezai M, Amblard P, Auffret N, Beylot C, Bodokh I, Chivot M, Daniel F, Humbert P, Meynadier J, Poli F. Multicenter randomized comparative double-blind controlled clinical trial of the safety and efficacy of zinc gluconate versus minocycline hydrochloride in the treatment of inflammatory acne vulgaris. Dermatology (Basel, Switzerland) 2001; 203: 135–140.

8       Ling JML, Schryvers AB. Perspectives on interactions between lactoferrin and bacteria. Biochemistry and cell biology = Biochimie et biologie cellulaire 2006; 84: 275–281.

9       Machnicki M, Zimecki M, Zagulski T. Lactoferrin regulates the release of tumour necrosis factor alpha and interleukin 6 in vivo. International Journal of Experimental Pathology 1993; 74: 433–439.

10     Kim J, Ko Y, Park Y-K, Kim N-I, Ha W-K, Cho Y. Dietary effect of lactoferrin-enriched fermented milk on skin surface lipid and clinical improvement of acne vulgaris. Nutrition (Burbank, Los Angeles County, Calif.) 2010; 26: 902–909.

11     Mueller EA, Trapp S, Frentzel A, Kirch W, Brantl V. Efficacy and tolerability of oral lactoferrin supplementation in mild to moderate acne vulgaris: an exploratory study. Current medical research and opinion 2011; 27: 793–797.