Die vielfältigen Funktionen von Lactoferrin bieten durch ihre komplexen Wirkmechanismen auch Lösungsansätze für Stoffwechselerkrankungen und deren Risikofaktoren.

Das metabolische Syndrom in seiner Definition ist eine Kombination verschiedener Risikofaktoren, die die Entstehung von schweren, chronischen Krankheiten begünstigen. Drei der fünf folgenden Faktoren müssen für die Diagnose des Metabolischen Syndroms zusammenkommen [1]:

  • Taillenumfang > 88 Zentimeter (Frau), bzw. > 102 Zentimeter (Mann)
  • Nüchtern-Blutzucker von über 100 mg/dl
  • Triglyceride von über 150 mg/dl nüchtern
  • HDL von unter 40 mg/dl (Frau), bzw. unter 50 mg/dl (Mann)
  • Blutdruckwerte von über 130/85 mmHg

Interessanterweise hat Lactoferrin mit seinen multiplen Funktionen Einfluss auf einzelne Komponenten des Metabolischen Syndroms, wie etwa die Regulation des Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsels. So kann Lactoferrin die Entwicklung einer Insulinresistenz und eines zu hohen Blutdruckes positiv beeinflussen, außerdem die Bildung von Fettzellen, entzündlichen Prozessen und anderen endokrinen Faktoren [2].

Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass Lactoferrin die Lipidperoxidation bei hohem Cholesterin-Spiegel reduzieren konnte, was den so entstandenen oxidativen Stress deutlich verringerte [3].

Der Einfluss von Lactoferrin auf den Fettstoffwechsel und speziell auf die Bildung von viszeralem Fett wurde in einer Studie mit übergewichtigen Männern und Frauen untersucht [4]. Die Ansammlung von viszeralem Fett ist einer der Risikofaktoren für das Metabolische Syndrom und begünstigt die Entstehung einer Insulinresistenz, verbunden mit hohen Blutzuckerwerten, hohem Blutdruck und Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie).

In dieser doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie, bekamen die Teilnehmer täglich 300 mg Lactoferrin über einen Zeitraum von acht Wochen verabreicht.

Nach dem genannten Zeitraum war eine signifikante Reduktion der viszeralen Fettmenge messbar.

Außerdem konnten die Teilnehmer ihr Körpergewicht, ihren Body Mass Index (BMI) und den Hüftumfang (hip circumference) deutlich reduzieren.

Aufgrund der Erkenntnisse aus verschiedenen Tierstudien, wird als zugrunde liegender Wirkmechanismen vermutet, dass der Effekt auf der Fähigkeit von Lactoferrin, an Lipopolysaccharide zu binden, beruht [5]. Des Weiteren wurde der hemmende Effekt von Lactoferrin auf die Reifung von Fettzellen (Adipozyten) beschrieben [5,6]. Hofmann et al. beschreiben, wie Lactoferrin den Fetttransport in die Zellen an viszeralen Fettzellen reguliert und so die postprandiale Fettaufnahme blockiert [7].

Die oben beschriebene Untersuchung von Ono et al. zeigte, dass Lactoferrin, ohne zusätzliche Veränderungen in der Lebensweise, das viszerale Fett reduzieren kann [4]. Und das, wie auch in allen anderen Humanstudien, ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Ein vielversprechender Ansatz für weitere Forschung und innovative therapeutische Ansätze.


1        Third Report of the National Cholesterol Education Program (NCEP) Expert Panel on Detection, Evaluation, and Treatment of High Blood Cholesterol in Adults (Adult Treatment Panel III) final report. Circulation 2002; 106: 3143–3421.

2        Elizarova A. Y., Kostevich V. A., Voynova I. V., Sokolov A. V. Lactoferrin as a promising remedy for metabolic syndrome therapy: from molecular mechanisms to clinical trials. Medical academic journal 2019; 19: 46–64.

3        Faridvand Y, Nozari S, Asoudeh-Fard A, Karimi M-A, Pezeshkian M, Safaie N, Nouri M. Bovine lactoferrin ameliorates antioxidant esterase activity and 8-isoprostane levels in high-cholesterol-diet fed rats. International journal for vitamin and nutrition research. Internationale Zeitschrift fur Vitamin- und Ernahrungsforschung. Journal international de vitaminologie et de nutrition 2017; 87: 201–206.

4        Ono T, Murakoshi M, Suzuki N, Iida N, Ohdera M, Iigo M, Yoshida T, Sugiyama K, Nishino H. Potent anti-obesity effect of enteric-coated lactoferrin: decrease in visceral fat accumulation in Japanese men and women with abdominal obesity after 8-week administration of enteric-coated lactoferrin tablets. The British journal of nutrition 2010; 104: 1688–1695.

5        Moreno-Navarrete JM, Ortega FJ, Bassols J, Ricart W, Fernández-Real JM. Decreased circulating lactoferrin in insulin resistance and altered glucose tolerance as a possible marker of neutrophil dysfunction in type 2 diabetes. The Journal of clinical endocrinology and metabolism 2009; 94: 4036–4044.

6        Yagi M, Suzuki N, Takayama T, Arisue M, Kodama T, Yoda Y, Numasaki H, Otsuka K, Ito K. Lactoferrin suppress the adipogenic differentiation of MC3T3-G2/PA6 cells. Journal of oral science 2008; 50: 419–425.

7        Hofmann SM, Zhou L, Perez-Tilve D, Greer T, Grant E, Wancata L, Thomas A, Pfluger PT, Basford JE, Gilham D, Herz J, Tschöp MH, Hui DY. Adipocyte LDL receptor-related protein-1 expression modulates postprandial lipid transport and glucose homeostasis in mice. The Journal of clinical investigation 2007; 117: 3271–3282.